S. 220-229




Wir beziehen das Ideale auf das Reale. Bestimmheit, Fixiertsein ist der Hauptcharakter desselben, des Realen sowohl als Denken als des Subjekts, das durch dies reale Denken entsteht. Das Denken steht bei dem Realen gleichsam still und ist nicht, wie bei dem Idealen, in Bewegung. 

Das ist nun in diesem Realen das Gedachte? Die produzierende Einbildungskraft, und da hier Bestimmtheit eintritt, die Einbildungskraft im Produzieren. Es ist ein Produkt der Einbildungskraft, also was ists? Die Einbildungskraft synthetisiert ein unendlich teilbares Mannigfaltiges, nun ist dieses hier etwas Stehendes, daher, weils Objekt der realen Tätigkeit ist. Daher wird nicht auf das Mannigfaltige gesehen, sondern aufs Eine, es ist das Erblickte ein Teilbares bis ins Unendliche, es ist teilbarer Stoff, Materie im Raume. Eben diese Vereinigung des Mannigfaltigen, wo auf die Vereinigung bloß gesehen wird, macht es zur Materie. ...

Das Reale ist liegende tote Materie, aber es wird gedacht durch ein frei tätiges Wesen, und ist dessen Bestimmung; es muss also doch das Gepräge desselben tragen, wodurch es auch nur fähig ist, Gegenstand desselben zu werden. Die Absolutheit kann nicht sein Absolutheit des Handelns, sondern bloß Absolutheit des Seins, ein Sein durch seine Natur, durch seine Bestimmtheit, die Materie wird etwas an sich selbst und durch sich selbst, ein selbstständiges Ding, da es vorher bloß ein mir vorschwebendes war, und es wird für mich ein gegebenes, ganz ohne meine Zutun vorhandenes Objekt. Denn ich bin nur frei, alle Beschränktheit liegt außer mir.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 221 









Ich erblicke mich als etwas Reelles versinnlicht, und die tiefste Versinnlichung ist mein Produkt; zu diesem liegt ein Bestimmbares außer mir, Materie, aber woher diese? Etwa von mir selbst? Wird mir also nicht einfallen. Ich habe es wohl auch selber gemacht? Nein, denn ich trage auf dasselbe die Selbstständigkeit notwendig über dadurch, dass ich es denke. Es wird ein Sein an und für sich, für sich bestehend. 

Darinne also liegt der Unterschied. Durch diesen beschriebenen Akt wird das Ding ein Noumeni. e. etwas durch freies Denken Produziertes. Eben das absolute Denken ist ein sich Denken, und dies geht durch unser ganzes Bewusstsein hindurch, kommt bei aller Empirie vor und gibt allem durch die Einbildungskraft Produzierten inneres Festigen. Kant sagt: Wir legen der Erscheinung ein Substrat unter, und dieses ist ein Noumen, aber das hat zu mancherlei Missverständnis Anlass gegeben. Das Produkt der Einbildungskraft und das Produkt des reinen Denkens, die Erscheinung und das Erscheinende ist eins; nur die Philosophie unterscheidet, was im wirklichen Bewusstsein eins ist. 

Es liegt der Erscheinung ein Noumen zu Grunde; bestimmter so: Die ganze Welt ist Erscheinung und auch Noumen, sie ist Produkt meines ganzen Geistes, dieser ist reines Denken und Hinschauen, in dem wirklichen Bewusstsein handelt er als Ganzes. Beides, Noumen und Erscheinung, sind eins, nur von verschiedenen Seiten durch die notwendige Duplizität des Geistes angesehen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 222


Nota. - Nicht zu vergessen aber: diejenigen Noumena, die nicht erscheinen. Etwa das Ich im transzendentalen Gebrauch. Was uns erscheint, sind historische Personen. Das Ich wird ihnen als ihr Vermögen lediglich zugerechnet. Und erscheinen wird, ob sie ihr Vermögen in realem Handeln aktualisieren.
JE








Kant sagt: Wir legen der Erscheinung ein Substrat unter, und dies ist ein Noumen. Aber dies hat zu mancherlei Missverständnis Anlass gegeben. Das Produkt der Einbildungskraft und das Produkt des reinen Denkens, die Erscheinung und das Erscheinende ist eins; nur die Philosophie unterscheidet, was im wirklichen Bewusstsein eins ist: Es liegt der Erscheinung ein Noumen zu Grunde; bestimmter so: Die ganze Welt ist Erscheinung und auch Noumen, sie ist Produkt meines ganzen Geistes, dieser ist Denken und Hinschauen, in dem wirklichen Bewusstsein handelt er als Ganzes. Beides, Noumen und Erscheinung, ist eins, nur von verschiedenen Seiten durch die notwendige Duplizität des Geistes angesehen. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 222







In der Deduktion hebt das Bewusstsein von mir selbst an als dem Bewusstsein eines Unendlichen, und nur dadurch, dass / ich das Unendliche nicht fassen kann, dadurch, dass sich mit der unendlichen Anschauung die Endlichkeit des empirischen Denkens verknüpft, werde ich mir zum Endlichen.

Umgekehrt, das Bewusstsein der Welt geht ja nicht aus von der Unendlichkeit, sondern von der Endlichkeit; meiner werde ich mir ganz bewusst, der Welt aber nicht als einer ganzen Welt, sondern einzelner Objekte. Ich fasse meine Begrenztheit auf, das die Absolutheit in sich Tragende kommt erst durch die Idee hinzu. Der Mensch des gemeinen Bewusstseins wohl findet sich ganz, die Welt aber nicht ganz, der Begriff des Universums wird erst allmählich zusammengesetzt.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 222f.


Nota. - Darum kann das empirische Denken nur diskursiv sein, weil es eines an das andere knüpfen muss; was es wiederum nur darum kann, weil es sich selbst als ein unendlich Bewegtes vorkommt.
JE







Ich bin nicht ohne Welt, und meine Welt ist nicht ohne mich. 

Nun wird, woraufs ankommt, durch diese wechselseitige Beziehung auf einander, durch die Unzertrennlichkeit beider, beides auf eine gewisse Weise weiter charakterisiert. Das NichtIch durchs erstere, das Ich, wird, weil, wie wir oben sahen, sein Handeln Dauer in der Zeit hat, durch die Zeit ausgedehnt, es ist zu aller Zeit, die nur gedacht wird. Zeit und Freiheit sind nur durch einander; nun wird, so gewiss das Ich durch die Zeit ausgedehnt wird, das NichIch als für sich bestehend mitgedacht, daher fällt es als Ding, als Noumen, auch mit in die Zeit und erscheint als seiend zu aller Zeit, weil das Ich da NichtIch immer bei sich führt...
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 223f. 


Nota. - Ich und Welt sind Wechselbegriffe, wie F. das nennt. Der antike Kosmos ist eine Kugel, der Mensch ist darin, aber steht ihr nicht gegenüber: Sie käme auch ohne ihn aus. Nicht so die Welt - 'es gibt sie' nur als Widerpart eines Ichs, so wie es ein Ich nur als Widerpart der Welt gibt. Mit andern Worten, die Wissenschaftslehre war nur möglich als die Anthropologie des bürgerlichen Zeitalters.
JE






Die Ursache und Wirkung sind gleichzeitig, durch den Begriff der Kausalität entsteht keine Zeit, in der Natur entsteht sonach keine Zeit, die Zeit entsteht nur im Ich, in dem Begriffe der Substanzialität - auf das Ich angewendet, in dem Durchlaufen der Handlungsmöglichkeiten durch die Einbildungskraft; dadurch, dass das Objekt bloß Objekt für das handelnde Ich ist, wird ersteres mit durch die Zeit ausgedehnt..
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 224




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