S. 150-159


Ich finde mich also als Objekt, bin mir gegeben.

Das Bestimmbare ist ein Reich vernünftiger Wesen außer mir. Aber vernünftige Wesen außer mir werden nur gedacht, um das Mannigfaltige zu erklären. Die Vernunft und den freien Willen anderer außer mir nehme ich nicht wahr, ich schließe nur darauf aus einer Erscheinung in der Sinnenwelt; sie gehören daher nicht in die Sinnen-, sondern in die intelligible Welt, in die der Noumene. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 150 


Nota. - Dass Vernunft sei, nehme ich nicht wahr in der Begegnung mit andern Wesen, die ich hinterher als vernünftig ansehen werde wie mich selber. Wahr nehme ich bloß, dass sie da sind neben mir. Aus diesem bloßen Umstand schließe ich - finde ich? postuliere ich? -, dass da ein Medium sein muss, in dem wir miteinander bestehen. 

Mit andern Worten, die 'vernünftigen Wesen' sind eher da - in meiner Vorstellung -, als die Idee der Vernunft. Ich finde, dass sie 'in gewisser Hinsicht' mir gleich sind, oder ich ihnen. Dieses Tertium will ich Vernunft nennen.Wie weit es reicht, wird man sehen; was es ist, muss man dann nicht wissen.
JE






Es entsteht aus der Bestimmtheit durch mich selbst ein Gefühl, und aus diesem der Gedanke meiner selbst. Also ich finde mich als Objekt und bin mir selbst Objekt; aber ich kann mich unter keiner anderen Bedingung finden, als dass ich mich finde als Individuum unter mehreren geistigen Wesen.

Es ist ein Hauptsatz des kritischen Idealismus, dass von einem Intelligiblen ausgegangen wird. Dies hat uns getrieben bis zu einem reinen Wollen, das empirische [Wollen] langt nicht zu. Jede meiner irdischen Bestimmungen bezieht sich auf meine ursprüngliche Bestimmtheit und ist nur unter ihrer Voraussetzung gedenkbar; dieses Vermögen könnte ich mir nicht zuschreiben, wenn ich es nicht fände; aber ich kann es nur finden als die Bestimmtheit und das reine Wollen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 150 


Nota. - In der Literatur wird es gelegentlich so dargestellt, als bräuchte F. die Vorausetzung "mehrerer" geistiger Wesen, um 'irgendwie' die apriorische Sozialisiertheit der Menschen ins System des sich-selbst-setzenden-Ich doch noch aufzunehmen; eigentlich: von der Seite her einzuschieben

Tatsächlich ist die Prämisse einer 'Reihe vernünftiger Wesen' nichts anderes als die Vorausgesetztheit einer 'intelligiblen Welt'. Die intelligible Welt wiederum ist nichts anderes als - die Vernunft selbstMit andern Worten: Vernunft ist nichts anderes als das praktische Übereinkommen wirklicher Personen, im wechselseitigen Verkehr nach gemeinsamen Zwecken = empirischen Willensbestimmungen zu suchen und fortzufahren. Diese Übereinkunft schafft in der Zeit nicht nur faktische, sondern auch logische (real logische) Folgen. Vernunft ist keine Tatsache, sondern Vollzug einer Absicht.
JE 




Also das erste und höchste der Ordnung des Denkens nach, was ich finde, bin ich, aber ich kann mich nicht finden ohne Wesen meinesgleichen außer mir; denn ich bin Individuum. Also meine Erfahrung geht aus von einer Reihe vernünftiger Wesen, zu welcher auch ich gehöre, und an diesem Punkt knüpft sich alles an. Dieses ist die intelligible Welt, Welt, insofern sie etwas Gefundenes ist, intelligibel in wiefern sie nur gedacht und nicht angeschaut wird.

Die Welt der Erfahrung wird auf die intelligible gebaut, beide sind zugleich, eine ist nicht ohne die andere, sie stehen im Geiste in Wechselwirkung.

Beide entstehen aus den Gesetzen der idealen Tätigkeit; die intelligible aus den Gesetzen des Denkens, die empirische aus den Gesetzen der Anschauung, sie sind etwas Ideales (noumene), aber keine Dinge an sich.

Der Grund von beiden ist schlechthin ursprünglich, die Bestimmung des reinen Willens; wenn man von etwasan sich reden könnte, so wäre es der reine Wille, der sich in der Empirie zeigt als Sittengesetz.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 151 


NotaI. - Ich habe Die Welt als Wille und Vorstellung nicht im Kopf, sie ist zu dick und doch nicht voll genug; ich weiß also nicht, ob Schopenhauer je zugegeben hat, dass der Einfall, Kants Ding an sich im reinen Willen auf- zufinden, von seinem Lehrer, dem Windbeutel Fichte stammte (den Konditional hat Sch. freilich fortgelassen). Er ist bei ihm gleichbedeutend mit dem Sein, dies aber ist das Übel: der persische Ahriman.

Nota II. - Also Vernunft, die intelligible Welt, ist schon da, wenn ich die Kette meiner Erfahrungen beginne, sie besteht in der 'Reihe vernünftiger Wesen', in die ich selber hineingeboren bin. Unter ihnen finde ich mich, erfahre ich mich als Individuum, nach ihrer Maßgabe denke ich mich als Ich. Nämlich jeweils, wenn ich mich alswollend vorfinde. Für die (rückblickende) Reflexion ist das Wollen daher das Erste.
JE





§ 13 

Reelle Wirksamkeit ist nur möglich nach einem Zweckbegriffe und ein Zweckbegriff nur unter der Bedingung einer Erkenntnis, und diese unter der Bedingung einer reellen Wirksamkeit möglich; und das Bewusstsein würde durch einen Zirkel, und sonach gar nicht erklärt.

Es muss daher etwas geben, das Objekt der Erkenntnis und Wirksamkeit zugleich sei. Alle diese Merkmale sind nur in einem allem empirischen Wollen und aller empirischen Erkenntnis vorauszusetzenden reinen Willen vereinigt.

Dieser reine Wille ist etwas bloß Intelligibles, wird aber, inwiefern es [sicsich durch ein Gefühl des Sollens äußert und zufolge dessen gedacht wird, aufgenommen in die Form des Denkens überhaupt als ein Bestimmtes im Gegensatze eines Bestimmbaren, dadurch werde ich das Subjekt dieses Willens, ein Individuum, und als Bestimmbares wird mir ein Reich vernünftiger Wesen. Aus diesem reinen Begriffe lässt sich ableiten und muss abgeleitet werden das gesamte Bewusstsein.

§ 14

Ein Gefühl ist mir nur möglich, inwiefern im System der Sensibilität eine Veränderung vorgeht; und aus dieser entsteht eine objektive Erkenntnis. Diese ist aber nicht möglich außer zufolge eines Handelns, inwiefern ich mich als Ursache denke. Ich denke mich aber als Ursache, wenn ich das Mannigfaltige des Erfolgs beziehe auf das reine Wollen. Dies Wollen ist ein ursprünglich Bestimmtes oder Bestimmendes. Ein reines Wollen, inwie- fern es sich als Sollen äußert.

Nun muss das Wollen, durch welches die Veränderung der Gefühle als etwas Empirisches hervorgebracht werden soll, selbst ein empirisches sein, denn die Bestimmtheit der Gefühle wird erklärt aus der Bestimmtheit des Willens; aber wenn der Wille nicht auf solche Gefühle bezogen wird, so ist kein Wille, mithin erklärt der reine Wille nichts.

Unsere Aufgabe ist jetzt: Wie wird das reine Wollen zum empirischen? /

Es ist uns hier um die Ableitung der Weltbegriffe zu tun. Diese sollen vom reinen Willen abgeleitet werden; dieser ist dazu aber nicht brauchbar, weil er eben rein ist.

Das Denken als solches, als sich Etwas denken, ist das Mittelglied zwischen dem Intelligiblen und der Sinnen- welt; durch das Denken sonach müsste der reine Wille versinnlicht werden, und zwar nicht nur so, dass etwas Objektives in demselben zugleich mitgedacht würde, sondern auch, dass er lediglich durch das Denken zu einem empirischen Willen würde.

Was gedacht wird, kommt unter die Gesetze des Denkens. Nun sind wir uns nicht der Gesetze des Denkens bewusst. Dieses Bewusstsein gibt uns erst die Philosophie.

Der reine Wille ist als Idee gedacht worden. Wird er nun gedacht oder nicht? Wird er überhaupt nicht gedacht, so können wir nicht davon sprechen. Wird er aber gedacht, so fällt er unter die Gesetze des Denkens und wird sinnlich. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 152f. 



Nota. Das reine Wollen findet noch in der Welt des bloßen Vorstellens statt und schaut Bilder an; es bleibt inmeiner Welt, wenn ich so sagen darf. Zu einem wirklichen Wollen wird es erst, indem ein Zweckbegriff hinzu- tritt, und der kann nur in der realen Welt, nur in unserer Welt liegen: in der Welt, wo ich unvermeidlich mit 'an- deren vernünftigen Wesen' zu tun habe, zu denen ich mich nur durch Begriffe verständ igen kann. Wo die rein betrachtende Zustimmung zu einem Bild - ja, das will ich - der praktische Entschluss tritt, das dem Zweckbe- griff Gemäße selbst zu tun. So wird aus dem virtuellen Handeln des Vorstellens ein reales Handeln und wird das angeschaute Ich ein wirkliches.
JE






Man denke sich deliberierend. Soll ich dieses oder jenes tun, oder ein drittes? In der Deliberation erscheinen diese gedachten Vorstellungen als in der Vorstellung ganz bestimmt. Ich denke mir diese Handlungen als möglich, vom Entschlusse abhängig, aber nur als möglich. Der Begriff der Handlung ist im Deliberieren noch über mehreren Handlungen schwebend; er ist noch auf keine bestimmte fixiert.

Man deliberiere nun nicht mehr, sondern fasse einen Beschluss, so erscheint das Gewollte als etwas, das sich allein zutragen soll. Das Wollen erscheint als eine kategorische Fo[r]derung, als ein absolutes Postulat an die Wirklichkeit. Im Deliberieren ist nur von der Möglichkeit die Rede [=von der Möglichkeit ist nur im Delibe- rieren die Rede, JE]; durch das Wollen soll etwas Neues, Erstes, vorher noch nicht Vorhandenes entstehen. Dieses ist aber doch schon idealiter dagewesen, denn im Deliberieren habe ich die möglichen Begebenheiten, die erfolgen konnten, an mein Wollen gehalten, aber nur problematisch. 

Also lässt sich jenes Neue beschreiben, aber jetzt erst / losgelassen, indem es in der Deliberation noch zurückgehalten war. Das Wollen erscheint also als ein Hervorgehen, als eine freiwillige Beschränkung, indem man den Willen auf ein neues Objekt hinleitet. Im Deliberieren ist das Bestreben zerstreut und insofern  kein Wollen. Die Konzentration dieses zerstreuten Strebens in einem Punkt heißt erst Wollen. Dies ist eine Folge aus dem oben aufgestellten Satz: Das Ich findet sich im Übergehen von der Unbestimmtheit zur Bestimmtheit. Nur in diesem Übergehen kann man sich seines Wollens bewusst werden.

Deliberieren und Wollen ist bloßes Denken, das erste ist problematisches, das zweite kategorisches. Aber alles im Ich, also auch das Wollen, muss durch dasselbe gesetzt sein. Das bestimmte Denken, das wir ein Wollen nennen, ist sonach ein unmittelbares Bewusstsein. Ich will, inwiefern ich mich als wollend denke, und ich denke mich als wollend, inwiefern ich will. Der Wille ist ein absolutes Erstes, seiner Form nach durch nichts Bedingtes. Es ist ebenso wie mit dem Gefühl, dem ebenfalls, weil es ein unmittelbares ist, nichts vorschwebt, was man wegdenken könnte.

Dieser unmittelbare Begriff vom Wollen ist die Grundlage des Systems der Begriffe, die Kant Noumene nennt und durch welche er ein System der intelligiblen Welt begründet. Sie haben zu vielen Missverständnissen Anlass gegeben und stehen im Kantschen System abgerissen und getrennt von dem Übrigen da.

Kant sagt zwar, dass man sie denken müsse, aber nicht wie und warum? Sie sind bei im Qualitates occultae, er behauptet: Es gibt keine Brücke von der sinnlichen zur übersinnlichen Welt. Dies kam daher, weil er in der Kritik der reinen Vernunft das Ich einseitig und nur das Mannigfaltige ordnend, nicht aber als produzierend dachte.

Die Wissenschaftslehre schlägt diese Brücke leicht. Nach ihr ist die intelligible Welt die Bedingung der Welt der Erscheinungen. Die letztere wird auf die erstere gebaut. Die erstere beruht auf ihrem eigentlichen Mittelpunkte, dem Ich, das nur / im Wollen ganz ist. Alle Vorstellungen gehen aus vom Denken des Wollens.

Dieser Begriff vom Wollen ist es, worauf alles Geistige (das im bloßen Denken bestehen soll) beruht, wodurch das Ich selbst geistig wird. Nach der vorigen Ansicht war das Ich körperlich, beide Ansichten müssen vereinigt werden. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 153ff.


Nota. - Dies ist das Herzstück der Wissenschaftslehre.

Bei längerer Beschäftigung mit der Wissenschaftslehre findet man mehrere solcher Herzstücke und kann sich nicht entscheiden, welches einem das liebste ist. Für heute lege ich Ihnen also dieses ans Herz.

Dass das Wollen dasjenige wäre, das man, wenn es ein An-sich überhaupt gäbe, als einziges so nennen dürfte, hat uns Fichte schon gesagt. Hier wird es in seinen Bestimmungen ausgeführt. Es ist das, was in einer geneti- schen Herleitung als der absolute – erste, einzige, unbedingte - Ausgangspunkt vorangestellt werden muss, wenn man die Entwicklung der Vorstellung bis hin zum gegenwärtigen gemeinen Bewusstsein verstehen will.

Muss – wenn – will: das ist seinerseits eine pragmatische Prämisse. Sie entspricht einer Absicht: Es soll der Mensch so verstanden werden. An keiner Stelle wird – wurde mir – so deutlich, dass die Grundlage der Wissenschaftslehre ein anthropologischesPostulat ist.

Denn die Anthropologie ist die Metadisziplin, die die Fragen entwickelt, aus denen die Philosophie hervorgeht.
JE







Ist der Zustand des Ich vor allem [als] Gefühl, Anschauen und Denken zu schildern, als das Eigentliche, was a priori da ist? Dadurch wird nichts wirklich bedeutet, es ist eine Idee (eine Hilfslinie), etwas Vorauszusetzendes, um zu erklären, was erklärt werden soll. 

Die Schwierigkeit ist dabei, dass wir nur nach den Gesetzen des Denkens denken können; wir müssen also von allem abstrahieren, wovon wir können, und ihn nur in sofern in die Form des Denkens aufnehmen, als wir müssen.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 154





Das Gefühl ist Affektion unserer selbst, es wird im Gefühle uns etwas angetan, es muss also etwas in uns sein, dem es angetan wird, und dies ist unser Handeln, aber es ist für uns nichts ohne Beschränktheit und Be-schränktheit nicht ohne Handeln, daraus besteht nun das Fühlbare. Durch das Handeln ist es für uns; dadurch, dass es beschränkt ist, ist es Gegenstand des Gefühls. Alles unser Bewusstsein geht aus von einer Wechselwir-kung des Handelns und der Beschränktheit, beides ist beisammen, und dies ist das Objekt des Gefühls.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 155  


Nota. – Die Wissenschaftslehre ist keine empirische Psychologie, sondern ein transzendentales Schema, das die Entstehung des Bewusstseins verständlich macht. Darum ist vom Gefühl in ihr stets nur die Rede, soweit es für die Entstehung des Bewusstseins eine Rolle spielt . – Das Tier handelt nicht im hier gemeinten Sinn. Fühlt es nicht? Soweit es für das Entstehen des Bewusstseins von Belang ist: nein, nämlich nicht als Beschränktheit. (Be-griffe sind nicht dazu da, etwas nicht Vorhandenes neu zu konstruieren, sondern etwas in der Wirklichkeit Ge-schehendes – die Entstehung des Bewusstseins – zu beschreiben; also sind sie tautologisch.)
JE




Ein einzelner Teil aufgefasst und auf den Willen bezogen, bedeutet Befriedigung, aber da es nur ein einzelner Teil ist, auch Beschränktheit. Also Kausalität und Beschränktheit werden unzertrennlich sein, Dadurch, dass es Kausalität ist, ist etwas für uns, denn wir können uns nur im Wirken anschauen; dadurch, dass es begrenzt ist, wird es ein Fühlbares, Anschaubares, Denkbares, ein Quantum. 

Mein wahres Sein ist Bestimmtheit meines Wollens; dadurch ist nun auch mein ganzer Zustand bestimmt; denn Zeit, Fortgehen in der Zeit ist nur zufolge unseres Denkens. Ich* werde nicht in der Zeit, ich bin auf einmal fertig für immer. Dieses ganze Sein wird aufgefasst in der Zeit, und dadurch wird es erst für das Denken ein Werden in der Zeit.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S.155


*Nota. - Hier ist vom Ich im transzendentalen Verständnis die Rede; nicht von einer empirischen Person. Jenes wird dieser zu Erklärungszwecken zu Grunde gelegt.
JE





Die reale Tätigkeit ist beschränkt durch unser Wollen, durch die Individualität, darüber können wir hinausdenken, und denken [uns] vernünftige Wesen außer uns hinzu. Die ideale Tätigkeit ist beschränkt, und unser Zustand kann nur allmählich, und zwar in bestimmten Maßen aufgefasst werden. Durch die letzte werden wir etwas für uns, durch die erste bestimmen wir uns durch Vernunftwesen außer mir. Dieses in die äußere Anschauung aufgenommen, gibt uns die Sinnenwelt. Das Mannigfaltige in mir und das Mannigfaltige außer mir stehen in Wechselwirkung.

Jedes Einzelne in mir wird bestimmt durch das Übrige in mir, und umgekehrt. Alles kommt aber aus dem absoluten Sein, und aus dem absoluten Beschränktsein im Auffassen dieses Seins. In realer Rücksicht bin ich nicht alles, in idealer kann ich, was ich bin, nicht auf einmal auffassen.

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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 156

Nota. - Das absolute Sein ist die als ein Sein aufgefasste Tätigkeit = Ich. Angeschaut wird aber stets nur eine bestimmte Tätigkeit = Handeln. Sie wird bestimmt, indem sie durch ihren Gegenstand beschränkt wird.
JE 






Die Reflexion ist schlechthin frei in der Wahl des Mannigfaltigen, auf welches sie geht, es ist kein absoluter Grund da, weshalb sie dies oder jenes wähle. ... /

Das Reflektierende ist Ich, und zwar ideales Vermögen, welches durch die oben aufgezeigte Bestimmung desrealen Ich nicht bestimmt ist. Aber es ist Charakter der Ichheit, sich schlechterdings selbst zu bestimmen, absolut erstes, nie zweites zu sein; die Reflexion ist also absolut frei. Diese absolute Freiheit der Reflexion ist selbst etwas Übersinnliches. In der Gebundenheit, nur auf Teile und nur auf solche Teile reflektieren zu können, tritt erst das Sinnliche ein. Hier ist der Vereinigungspunkt der sinnlichen und der übersinnlichen Welt angegeben.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 156f.


Nota. - Die reale Tätigkeit, das wirkliche, lebendige Vorstellen, ist nur 'an sich' frei, nämlich insofern es vonnichts Fremdem bestimmt ist; aber nicht 'für sich' frei, insofern es noch gar nicht bestimmt ist. Indem es sich reflektierend selbst-bestimmt, wird es ideale Tätigkeit, denn erst hierin wird es für sich frei. Erst hier wird es ein Ich.

Merke: Die Wissenschaftslehre schafft kein neues Wissen, sondern macht lediglich das Mysterium unserer Freiheit verständlich.
JE






Also ist es auch möglich, dass die ideale Tätigkeit nicht auf einen Punkt gerichtet sei? O ja. Die Reflexion ist frei in der Wahl dessen, worauf sie geht, und ist überhaupt frei, zu reflektieren oder nicht. Aber dies ist nur möglich, wenn schon reflektiert worden ist in der Zeit. Wunsch und deliberieren sind nur möglich, in wiefern gewollt worden ist. Das Bewusstsein hebt mit dem Wollen an.
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 1982, S. 158


Nota. Wollen ist reale Tätigkeit. Dieses eine, wirkliche Wollen ist das erste, worauf die Einbildungskraft überhaupt zurückgehen kann, um es als Dieses zu bestimmen. So erst wird aus dem über die reale Tätigkeit hinausgehenden 'Quantum' Einbildungskraft ideale Tätigkeit. - Ab da ist sie frei in ihrer Wahl.
JE 






Aus der Anschauung entsteht das Sein unsrer selbst und der Welt. Dieses Sein, auf welches die Reflexion geht, ist das reine Wollen selbst, und hier insbesondere das reine Wollen, in wiefern es angeschaut wird. 

Hier ist aber offenbar die Rede von einer äußeren Anschauung; denn die Form der inneren Anschauung, die Zeit, ist nur Form des Intelligiblen. Die / Form der äußeren Anschauung ist der Raum, und das Objekt desselben [sic] ist notwendig Materie im Raum; mithin würde dieses Sein Materie im Raume, und mit der Reflexion auf den Willen wäre eine Anschauung des materiellen Seins im Raume notwendig verknüpft.

Das reine Wollen ist vor allem empirischen [Wollen] da, und was wir anschauen, ist das reine Wollen selbst, unter der Form der sinnlichen Anschauung erblickt. Ein Sein, das die ursprüngliche Kraft unseres Wollens selbst ausdrückt, ist unser Leib, in wiefern er Werkzeug ist. 
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Wissenschaftslehre nova methodo, Hamburg 198 2, S. 159f.


(Nota. -Vergleiche hiermit die Formulierung 'alles, was menschliches Antlitz trägt' als Synonym für 'eine Reihe vernünftiger Wesen außer mir'. JE)

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