Freitag, 2. Juni 2017

§ 15:

//S. 166//
§ 15. Übersicht des Vorhergehenden.

Der Geist unserer Philosophie ist: Kein vorgebliches Ding an sich kann Objekt des Bewusstseins sein. Nur ich selbst bin mir Objekt; wie lässt sich unter dieser Voraussetzung das Bewusstsein konstruieren?

Wir können nur nach unseren Denkgesetzen erklären, und nach diesen muss die Antwort auf unsere Frage ausfallen. Unsere //167// Erklärung ist damit auch nicht an sich gültig; denn die Frage ist: Wie kann ein Vernunftwesen sein Bewusstsein erklären?

Nun müssen wir zu Folge der Reflexionsgesetze zu allem Bestimmten ein Bestimmbares voraussetzen. Dies Gesetz haben wir bisher angewandt auf das Ich, welches Objekt der Philosophie ist. Nun aber ist der Philosoph auch ein Ich, folglich auch an dieses Gesetz gebunden. Das Ich ist sich selbst Objekt des Bewusstseins, sonach Subjekt und Objekt. Wir wollen beides auf einander beziehen. Zu diesem Behufe müssen wir beide auf einander beziehen als bestimmbar, sonach wird uns nach den Denkgesetzen das Ideale und Reale geschieden. Das Reale bedeutet nur das Objektive, das Ideale nur das Subjektive im Bewusstsein.

Beides wird nun besonders betrachtet als bestimmbar, und dieses Denken gibt uns das bloß Intelligibele. Das Intelligible ist sonach nicht an sich, sondern etwas für die Möglichkeit unserer Erklärung nach den Denkgesetzen Vorauszusetzenden. So behandelt es auch Kant, und jede andere Ansicht wäre transzendent. 

Das ursprünglich Reale ist der reine Wille, das Bestimmbare in unseren Bestimmungen. Das Ideale ist ein Reflexionsvermögen, gebunden an verschiedene Gesetze, unter anderem auch an das Gesetz, dass nur Sukzessives aufgefasst und nur diskursiv gedacht werden.das erste ist ein Vermögen, Objekt zu sein, das letztere ein Vermögen, Subjekt zu sein. das erste ist das Vermögen, rein, das zweite [ein Vermögen,] empirisch zu sein.
 
Nota.
 Zunächt einmal: 'Diskursiv', das heute in verschiedenster Bedeutung gebraucht wird, verwendet er als bestimmtes Korrelat zu 'sukzessiv'. Da wir kein Ganzes, sondern immer nur Teile auffassen können, und zwar eines nach dem andern, können wir sie nur denken, indem wir in unserer Vorstellung eines nach dem andern, in der Zeit, wieder aneinanderfügen.
Dies nennt er ein Denkgesetz.
Ein Denkgesetz sei auch, dass wir zu jedem Bestimmten ein Bestimmbares denken müssen. Ein 'Gesetz' soll das sein? Es ist lediglich eine Explizitierung dessen, was im Verb 'bestimmen' vorgestellt wurde. Das Vorgestellte ist als Ganzes Eins, ein Singulum, und als ein solches kann darüber keine Aussage gemacht werden (de singularibus non est scientia), man muss es in sich selbst unterscheiden, um es dar stellen zu können; die 'Teile' nach einander wieder zusammensetzen.
Das Vor gestellte ist das Gemeinte. Gemeint wird die Handlung des Bestimmens. Überhaupt jeder 'Begriff' ist le- diglich eine solche Handlung, die als Ruhe gedacht wird. Als Handlung 'hat' sie aber - denn das ist das im Bild der Handlung Gemeinte - wenigstens diese drei 'Teile': S p dass q.
'Gesetz' ist daran, dass man aus einem Gehalt nur herausholen kann, was er enthält - in transzendentalem Sinn: was man hineingetan hat. Es ist das Verhältnis von realer und idealer Tätigkeit.
JE 

Zu einer solchen Voraussetzung kommen wir durch die Denkgesetze. Nun fand sich die Schwierigkeit: Wie soll der reine Wille ein Mannigfaltiges für die Reflexion werden?  Es war die Antwort: Es [sic] wird dies lediglich durch seine Beziehung auf die Beschränktheit, welche gleichfalls ursprünglich ist. So ists auch im empirischen Bewusstsein. Der Wille für sich betrachtet ist nur eins. Man unterscheidet den Willen nur durch die Objekte, auf die er geht, dies ist nun hier die Beschränktheit. Die ganze Reflexion besteht in der Vereinigung des Mannigfaltigen der Beschränktheit. Ihre Freiheit besteht //168// darin, dass der Wille darauf bezogen werden kann oder nicht; dass er auf dieses oder jenes bezogen werden kann.

Aber in wiefern ich beschränkt bin, bin ich irgend etwas nicht, was ich aber nicht bin, das ist für mich nicht da. Nun aber liegt die Beschränktheit außer mir; wie werde ich mir nun ihrer bewusst? Antwort: Sie liegt nur zum Teil außer mir. Äußerlich bin ich beschränkt, aber nicht innerlich, meine äußere Beschränktheit ahme ich innerlich nach.

Aber hiermit ist die Frage noch nicht ganz beantwortet, und wir haben zunächst zu zeigen, was von unserer Schwierigkeit noch nicht gehoben sei, und in wiefern sie zu heben sei. 


Ich ahme die Beschränktheit meines äußeren Organs innerlich nach; ich sehe ein Objekt - ich kann in einen gewissen Raum nicht eindringen und beschreibe eben die Fläche, die erfüllt ist. Das innere Organ ist in dieser Theorie nie beschränkt. Schwierigkeit:  Ich soll äußere Beschränktheit nachahmen, also ein äußeres Handeln, ich kann mir aber nichts einbilden, was ich nicht kenne; den Willen kenne ich, aber nicht das äußere Organ. Sonach bleibt ein Zirkel: Man bezieht sich auf die Beschränkung des äußern Organs; woher dieses [sic] selbst? -

Es steht so: Das, was ich wahrnehme, wird innerlich vollzogen, die Gestalt im Raume wird abgerissen durch die Einbildungskraft pp. Nun begreift sich, wie durch mein Organ eine solche Gestalt hervorgebracht werden kann, aber nicht, wie sie abgerisssen werden kann als durch das äußere Organ nicht zu bestimmen; und wie dem zufolge Objektivität angenommen werden könne. Es scheint, wir nehmen nur Einbildungen an. So ist - nichts erklärt. Lösung: Wir können nicht in der Versinnlichung bleiben, wir müssen auf den transzendentalen Standpunkt zurückgehen.

Nota.
- Das äußere Organ: das ist meine Sinnlichkeit; das innere Organ: das ist das Bild, was ich mir von jener mache. Im vorigen Eintrag war die Darstellung schließlich in der Sinnlichkeit angekommen. Wie wird das Sinnliche (nach allem Obigen müssten wir sagen: das Gefühl) zu einem Ideellen (zu einer bestimmbar-bestimmten Vorstellung)? Indem das innere Organ das äußere nachahmt: ab"bildet".
Das scheint eine bloße Wortspielerei zu sein; dass sie nichts begreiflicher macht als zuvor, gibt er zu und verweist uns auf den "transzendentalen Standpunkt" zurück. Die Sprache des Protokollanten wird undeutlich: War der Dozent undeutlich oder hat ihn bloß der Protokollant nicht recht verstanden? Wie dem auch sei: Der Versuch eines einstweiligen Zwischenberichts der Wissenschaftslehre ist nicht geglückt, aber man ahnt: Das war es, was er uns zeigen wollte.
JE

1.

Es wurde geredet von unsprünglicher Beschränktheit unseres Wesens, wodurch der Wille erst zum Willen wurde. Was sollte beschränt werden? Ein absolut Selbsttätiges, wass nur selbsttätig ist. Die kann nicht wie ein Sein beschränkt werden, dem wohl eine innere Kraft angestammt sein mag, die aber an die Quantität des Dinges geknüpft ist. Vide Beispiel einer immer mehr zu verringernden Kugel. 

So nicht //169// mit der Intelligenz, ihre Beschränkung soll stattfinden, ohne dass das Bewusstsein der aufgehobenen Realiät aufgehoben wird. Welche könnte es sonst sein? - (Beschränktheit, die bloß an die Tätigkeit also solche sich wendet, nicht aber an das Sein) nichts als Beschränktheit durch die Tätigkeit selbst - die Aufgabe, sich selbst zu beschränken, nicht eine sich aufdringende Beschränkung, sondern [eine,] die nur stattfindet, in sofern sie mit Freiheit aufgenommen wird. - Folgerungen daraus.  

A) Was jene Begrenzung eines ursprünglichen Willens bedeuten soll, ist klar; es ist das Ganze der Beschränkt- heit als das Bestimmbare zu allen in der Zeit vorkommenden Bestimmungen, die ich mir auflegen soll. Der Grund liegt in meinem endlichen Wesen; dass ich diese oder eine andere aufnehmen soll, beruht auf meiner Individualität, alles andere ist transzendent. Der reine Wille ist nur der, den ich in der Zeit haben soll, vide Sittenlehre ca. [S.] 200. Antwort auf die Frage: Wer bin ich? Aber wer soll ich sein? Die Individualität ist bestimmt nicht durch ein Sein, sondern durch ein Gesetz, es ist vorgeschrieben für alle Zeit, was ich werden soll.


Der reine Wille ist beschränkt, dies ist kein Menschenverstand, denn er ist ja nicht im Raume ausgedehnt, er ist Sponaneität und kann nur durch sich selber beschränkt werden. Es heißt also: Es liegt in meinem ganzen Sein ein Gesetz des Wollens (Sittengesetz), es ist nicht qualitas occulta wie bei Kant, es ist ein Gesetz, das ich selbst mir mache. - Die Beschränktheit der Selbsttätigkeit ist nicht Beschränktheit durch ein wahrnehmbar Objektives, sondern durch einen Begriff. Die eigentliche Aufgabe wäre: Wie wird dieser Begriff aufgefasst, und wie kommen wir zu der Vorstellung, gewisse Vorstellungen zu haben? 

Nota.
 - Ich kann keinen Zusammenhang herausfinden. Liegt es an Krauses Mitschrift? Fichte wünschte nicht, dass seine Hörer seinen Vortrag mitschreiben sollten, denn dann könnten sie sich nicht auf den Sinn konzen- trieren und das Vorgetragene nicht verstehen. Sie sollten sich lediglich Stichpunkte notieren und das Ganze zu Haus in ihren eigenen Worten rekonstruieren. - An dieser Stelle scheint Krause weder ganz das eine noch ganz das andere getan zu haben; der rote Faden geht verloren.
Worin die ursprüngliche Beschränktheit des "absolut freien" reinen Willens bestehen soll, ist allerdings erklä- rungsbedürftig. Sie soll jedenfalls eine Selbstbeschränkung sein, die ihrerseit "ursprünglich" ist, die ich jedoch "selbst mir mache". Ein Begriff soll es sein, der indessen "in meinem ganzen Sein" liegen soll. Dieser sei das Sittengesetz.
Angenommen, so sei es gemeint; einsichtig ist es aber nicht, vielleicht kommt das noch?
JE

Beispiel im Allgemeinen

(Nur um deutlich zu werden. Wenn ich jemanden hören will, muss ich nicht reden, nicht physisch bin ich ge- zwungen, sondern nur hypothetisch, nach einer selbst angefügten Aufgabe als Zweck; die Beschränkung ist die des äußeren Sprachorgans; sie ist physisch nicht zu erklären.)
 
Übersicht 

Beim Dogmatiker ist das Ding das erste, der Begriff das zweite; der Idealist kehrt es um, er kommt von dem Begriffe zum Sein. Zwischen diesen beiden Verhältnissen liegt ein drittes: dass sogar ein Begriff (nicht als Zweckbegriff angesehen) //170// sei, aus dem das Sein folgen soll. Bei diesem Satze stehen wir bestimmt jetzt.

Sinnlich: Ich reflektiere, und dadurch erhalte ich einen Begriff; mit diesem Begriff zugleich als Bedingung desselben erhalte ich auch die Aufgabe, meine äußere Freiheit zu beschränken. Nur in wiefern ich reflektiere erhalte ich diesen Begriff.

Das zu Beschränkende zufolge eines Begriffs ist mein äußeres Organ - mein äußeres Organ wird gesetzt als durch mich zurückgehalten, und was es nicht bewerkstelligt, wird durch das innere [Organ] nachgeahmt. - Beantwortung jenes Zirkels, dass auch das Nichtkönnen nur durch dich vorhanden ist, das du [es] dir selbst zufügst und so denken musst zufolge der notwendigen Beschränkung deiner selbst. Schon in der Aufgaben liegts drin.

Der Dogmatiker geht nach innen, der transzendentale Idealist beschreibt seine Radien nach der Peripherie. Jedes kommt von innen, alle Voraussetzung des Äußeren taugt nichts; dies war der Fall im vorigen Paragraphen. 

Resultate 

1. Alle Einwirkung von außern fällt gänzlich weg, denn wenn dies nicht ist, sind wir Dogmatiker. - Es ist in mir die Aufgabe, mich so und so zu begrenzen. Ich beschreibe diese Begrenzung durch Freiheit. Dass ich es weiß, ist Ansicht meines äußern [Vermögens], insofern ich sie nachahme, Ansicht meines Vermögens innerlich.

2. Durch diese Aufgabe ist mir das äußere Organ gegeben, denn dies ist die ideale Ansicht der Beschränkung. Es liegt in jener //171// unserer Aufgabe der Begrenzung mit drin und muss ihr zufolge gesetzt werden. Darauf kommts an, alles aus dem Centro zu erklären; wir müssen zeigen, dass es der Ansicht des Dogmatikers nicht bedarf.

Wir können nie erfahren, dass wir einen Leib haben; dies und dass er unser ist müssen voraus wissen als Bedingung alles Erfahrens, alles Zulernens. Durchs bloße Denken wird dies hervorgebracht, und erst später wirds Gegenstand der Erfahrung.
 
Nota.
 - Habe ich was verschlafen? Warum 'in mir die Aufgabe' wäre, mich zu begrenzen, verstehe ich immer noch nicht, auch wenn es wiederholt wird. - Um überhaupt wollen zu können, muss ich dieses oder jenes wollen, das ist klar. Wozu dann der ganze Aufwand? Führt er noch mehr im Schilde?
Dies muss man auch mal sagen: Wenn ein Ergebnis gesichert ist, würde es nicht dadurch falsch, dass es in der Konsequenz zu einer dogmatischen Ansicht führte. Man hätte dann Anlass, dem Ergebnis zu misstrauen und sich die Herleitung noch einmal genauer anzusehen. Jedoch "an Worten ist nichts gelegen", und dieses dürfte unseren Verstand nicht ins Bockshorn jagen.
JE

2. 
 
Die Schwierigkeit ist gelöst. Das äußerliche Organ muss da sein, die Möglichkeit ist erklärt: nämlich es ist nur da, in wiefern ich selbst es hemme, in wiefern vor aller Hemmung ein Begriff desselben da ist; dieser wird durch die Aufgabe, es zu hemmen, gegeben, welche aus meinem Willen hervorgeht.

Nota bene, es ist nur die Rede von Wirkung des Freien auf das Freie. (Dass man das äußere Organ auch [als] von einem Äußern abhängend ansehen muss, ist wieder nur eine andere Ansicht des äußern Organs, vide infra.) Das innere Organ ist Seele, das äußere Leib; beides ist Ich, nur in verschiedner Ansicht. Seele entsteht, wenn ich mich durch die Form der inneren Anschauung versinnliche; der Leib [entsteht] durch Versinnlichung der äußern und der innern Anschauung zugleich,

Das höchste Beschränkende ist der Begriff, durch ihn kommt Anschauung in meine ganze Welt. Auf dem praktischen Standpunkte ist das Erste der ursprüngliche reine Wille. Dieser außert sich durch Zweckbegriffe, nicht durch die, die wir oben gar nicht erklären konnten, sondern durch Zweckbegriffe, die schlechthin sind, als erstes absolut Aufgedrungenes; dieser Begriff (ein νουμενον) wird sinnlich realisiert als inneres und äußerliches Organ und als Sinnenwelt, und so kommt der transzendentale Philosoph auf den Boden, er [dieser Zweckbegriff] muss aus absoluten Begriffen erklärt werden, die keinen anderen erklärenden [Begriff] voraussetzen. Diese sind Zweckbegriffe, die aber doch als objektiv erscheinen müssen. 

Nota.
 - Das äußere Organ muss für die Reflexion da sein; das ist es nur, inwiefern ich es hemme aufgrund eines Begriffs, den mein Wille mir gibt. Das höchste, was meine Reflexion beschränkt, ist der Begriff. Durch den Begriff kommt Anschauung in meine Welt: so ist es für die Reflexion alias ideale Tätigkeit. Vom Standpunkt der realen Tätigkeit ist es umgekehrt, dort geht der Begriff aus der Anschauung hervor, die ihrerseits erst durch ihn diese wird.
Neu ist: dass der reine Wille durch Zweckbegriffe beschränkt wird, die "schlechthin " da sind und aus nichts Höherem (oder Früherem) hergleitet werden können. Das will er uns im Folgenden offenbar erklären. Seine bisherigen Erklärungen zur ursprünglichen Selbstbegrenzung meines reinen Willens haben ihm selber nicht gereicht. Die Spannung steigt. JE

Denn dass ich diesen Begriff fassen soll, das //172//  liegt in meinem Wesen. Dies zu sagen ist klarer Unsinn, wenigstens erbaulich aufgestellt. Dieser Begriff entsteht bloß, in sofern ich ihn mache, er dringt sich mir auf heißt: mein Wesen ist Aufgabe, ihn zu machen, sobald ich reflektiere; dies aber muss ich tun, wenn ich Bewusstsein haben soll! - 

Die Beschränktheit, von der geredet worden, ist eine, die ich mir selbst zufüge infolge eines ursprünglich in mir enthaltenden Begriffs; es wäre demnach ein Anfang zu machen, die Geschichte des entstehenden Bewusstseins zu beschreiben.

Ich reflektiere (auf mich), nach dem Bestimmungsgrunde; der Form nach ist nicht zu fragen, weil sie mit Freiheit geschieht, oder: Über den Anfangspunkt können wir nicht Rechenschaft geben. Ich muss aber eine Beschränktheit meiner selbst auffassen, in der die Aufgabe liegt, mich selbst zu beschränken; dieser Begriff ist die innere Bedingung der Reflexion. Warum aber Y und nicht -Y gefasst wird, darüber kann nicht die Frage entstehen, weil dies seinen Grund in der Freiheit hat. Der ursprüngliche Zustand des beschränkten empirischen Ichs ist, dass sein Wille nachgebildet werde.
 
Nota.
 - Um auf 'mich-selbst' reflektieren zu können, muss ich mich als beschränkt - begrenzt, endlich - auffassen, denn auf ein Unbeschränktes, Unendliches kann nicht refektiert werden - das impliziert die Vorstellung vom Reflektieren selbst; alle weiteren Ausführungen darüber sind mehr oder weniger tautologisch.
Ob ich reflektiere, liegt freilich in meiner freien Willkür; doch wenn ich Bewusstsein erlangen soll - dass es erlangt wird, war aber der faktische Ausgangspunkt der Wissenschaftslehre -, dann muss ich reflektieren. -
Stelle ich mir das alles zu einfach vor? Anders hat aber der Satz, mein "Wesen" sei eine Aufgabe - bzw. nur als Aufgabe aufgefasst hätte ich ein 'Wesen' - keinen Sinn.
JE

 
§ 15 [Zusammenfassung]
 
Aber die Beschränktheit ist nicht Beschränktheit des Ich und ist nicht für das Ich, wenn nicht das Ich selbst sie zufügt. Sonach kann die ursprüngliche Beschränktheit des Willens nichts anderes bedeuten, als eine Aufgabe für das Ich, seinen Willen selbst zu beschränken, und die besondere Ankündigung dieser Aufgabe im empirischen Bewusstsein kann nichts anderes sein als ein Begriff, durch welchen eine bestimmte Selbstbeschränkung gefordert wird, durch dessen Auffassung erst Gefühl und Anschauung entsteht. Alles Bewusstsein geht sonach vom Denken eines lediglich Intelligiblen aus.

Nota.
Wir sind noch lange nicht am Ziel. Denn jetzt müssen wir herausfinden, woher besagter 'Begriff' kommt und was es heißen soll, dass erst 'durch seine Auffassung' Gefühl und Anschaunng entstehen, und zwar notabene im "empirischen Bewusstsein".
Immerhin sind wir von der Vorstellung erlöst, dass hinter (über, unter) dem Ich ein vorbestimmtes Wesen stünde,welches es nur noch aus- und durchzuführen hätte. JE





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